Ob früher auf Klassenfahrten oder für den täglichen Weg zur Arbeit: das verhassteste Verkehrsmittel ist der Bus. Ausgerechnet dieses Reisemittel erlebt seit der Lockerung der Gesetzeslage zum Fernverkehr einen Boom ohnegleichen. Für extrem wenig Geld extrem weit reisen lautet das Motto. Abstriche muss man dabei machen, das ist klar. Service, Komfort, Geschwindigkeit, Platz sucht man in den Reisebussen von Anbietern wie Flixbus, IC Bus oder Megabus vergebens – dafür sind sie aber eines: billig.

Fronleichnam, 2016 – Mannheim, 21:30.

Ich stehe am Busbahnhof und warte auf meinen Bus Richtung Paris. Kommen soll der in 10 Minuten aus Prag. Ich zweifle, ob er wirklich pünktlich sein wird, Prag nach Mannheim ist eine lange Strecke. Einmal Pechhaben auf der Autobahn und schon ist sie da, die Verspätung. Beim Anbieter, mit dem ich fahre kann man solche Informationen noch nicht mal online einsehen. Nichts für ungut, der Bus biegt um die Ecke und das sogar einigermaßen pünktlich.

Er hält und das Gedränge geht los. Aussteigende Fahrgäste wollen ihr Gepäck möglichst schnell bekommen, Einsteigende möglichst schnell loswerden. Immerhin hilft hier der Busfahrer, von dem man im Gegenzug für sein Gepäckstück eine kleinen Zettel mit einer Nummer erhält. Danach noch das Ticket scannen lassen, das geht immerhin problemlos per Smartphone-App: Unhandliche Papierkarten ade.

Angekommen im oberen Stock des Busses, geht es an die Platzsuche, denn auf dem Ticket ist der Sitzplatz angegeben – und nur auf diesem darf man sich niederlassen.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit setzt sich der Bus in Bewegung. Ab auf die Autobahn nach Paris – denkste. Zunächst bewegen wir uns einmal über den Rhein nach Ludwigshafen, um im Busdepot zu tanken und die Toilette zu entleeren. Der Geruch, der anschließend im Bus herrschte, wird im Lauf der Fahrt immerhin von der Klimaanlage neutralisiert. So kommt es, dass wir Straßburg, den letzten Halt vor Paris, mit reichlich Verspätung anfahren. Das stört aber wohl keinen, denn hier steigt niemand zu. Lediglich das Paar, das die vergangene Stunde die ganze obere Etage an ihrem Gespräch teilhaben ließ, steigt aus – zur Freude aller anderen Fahrgäste.

Wieder rauf auf die Autobahn, jetzt ist Schlafen angesagt. Zumindest versucht das jeder, die Smartphones werden weggesteckt und Laptops zugeklappt, nur die Motorgeräusche sind noch zu hören. Vorbereitet mit Nackenhörnchen und Ohropax tue ich es den anderen Fahrgästen nach und stelle meinen Sitz nach hinten. Mit einem Sitzplatz zum Gang hat man immerhin noch die Möglichkeit die Füße ein wenig mehr auszustrecken, eine angenehme Schlafposition ist das aber keinesfalls. Wirklich zur Ruhe komme ich diese Nacht nicht, was wohl zum einen an der schlechten Luft im Bus, meiner freudigen Aufregung sowie den etlichen Mautstellen auf den französischen Autobahnen geschuldet ist, bei welchen man jedes Mal aufs neue wach wird.

Entsprechend unausgeruht fühle ich mich am nächsten Morgen, als die ersten Häuser von Paris zu sehen sind. Es ist erst 5:30 Uhr, aber dennoch schon einiges los auf den Stadtautobahnen. Willkommen in einer Millionenstadt. Gut eine halbe Stunde quälen wir uns noch durch den Verkehr Richtung Busbahnhof und so langsam erwachen auch die anderen Fahrgäste, die wohl teilweise doch einen erholsamen Schlaf gefunden haben.

Paris, 06:10.

Schließlich halten wir 20 Minuten vor der geplanten Ankunft am Porte Maillot. Enthusiasmus macht sich breit, Paris grüßt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Der Körper äußert nun immer deutlicher den Wunsch nach einem richtigen Bett, aber hey – für 19€ nach Paris (Mit BahnCard in diesem IC Bus der Deutschen Bahn sogar für 14,25€), da ist noch einiges an Budget für den Kaffee übrig.

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Paris, 2 Tage später, 22:00.

Mit W-LAN in der Airbnb-Wohnung habe ich den Preis für die Rückfahrt gesucht, wenn ich erst jetzt buchen würde, müsste ich um die 70€ zahlen. Deutlich teurer also, was auf eine erhöhte Auslastung der Fahrt schließen lässt. Je mehr Personen ein Ticket buchen, desto teurer werden sie – wer spät kommt, zahlt mehr.
Wieder angekommen am Busbahnhof erkenne ich einige bekannte Gesichter, ich bin wohl nicht der einzige, der diese Route für’s verlängerte Wochenende gewählt hat. Im Vergleich zur Ankunft sind um diese Uhrzeit die Verhältnisse etwas chaotischer, deutlich mehr Busse, deutlich mehr Leute, deutlich mehr Verwirrung, denn der Bus ist auch wenige Minuten vor der geplanten Abfahrt noch nicht aufgetaucht. Ich beginne schon mit anderen Deutschen zu scherzen, ob wir nun Zug fahren dürften, auf Kosten der Bahn versteht sich, als der weiße Doppeldecker doch noch um die Ecke biegt. Die Befürchtung die Auslastung betreffend bewahrheitet sich – heute ist die Fahrt komplett ausgebucht. Das bedeutet 85 Personen auf engstem Raum nebeneinander. Dementsprechend dauert das Einladen des Gepäcks besonders lange und mit gut 30 Minuten Verspätung setzt sich der Bus in Richtung Prag über Straßburg, Mannheim, Heidelberg und Nürnberg in Bewegung.

Die Fahrt verläuft ähnlich (un)angenehm wie die Hinfahrt, dafür funktioniert dieses Mal das W-LAN an Bord. So kann man sich immerhin die Zeit vertreiben, wenn man denn keinen Schlaf findet. Zusätzlich steht ein Entertainment-Portal zur Verfügung, in dem Musik, relativ aktuelle Filme und Zeitungen kostenfrei abgerufen werden können.

Mannheim, 6:50.

Pünktliche Ankunft am Heimatbahnhof – ab in die nächste Regionalbahn und zu Hause erstmal ausschlafen.

Fernbusse sind vor allem eins: günstig. Angenehmes, komfortables und ausgeruhtes Reisen geht aber anders- zum Beispiel mit dem ICE:

Mannheim – Paris in 3 Stunden.

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